Hagström. Was soll ich sagen? Neben Solar Guitars meine Lieblingsmarke bei E-Gitarren. Mit der Ultra Swede, der Fantomen und der Ultra Max habe ich bereits drei Hagströms neuerer Bauart besessen und alle haben mich überzeugt. Die Fantomen habe ich wieder abgegeben, nicht weil sie schlecht war sondern von mir als Drop B Gitarre trotz Zusammenarbeit mit Ghost einfach falsch eingeplant. Denn eines haben alle Hagströms gemeinsam: sie sind wunderbare Gitarren, aber keine Metalbretter. Standard Tuning ist ihr Metier, Drop Tunings überlässt man lieber Solar und Ibanez (oder Schecter und co, die ich jedoch noch nie gespielt habe).
Nun also die Hagström Adina
Als ich dann davon Wind bekommen habe, dass ein neues Modell den Namen meiner Frau trägt, war klar, dass ich dieses Modell haben muss. Gesagt, getan, gejagt. Nach einem Jahr endlich ein B-Stock Modell der präferierten Variante Purple Burst bei Thomann bestellt, erhalten, ausgetestet, geflasht. Gewicht super, Handhabung toll, Farbe genial. In der Tonalität absolut großartig. Nervig nur: der Tone Poti war lose, im Hals gab es zwei Risse – nicht tragisch aber eben auch nicht B-Stock als qualitativ tadelloser Versandrückläufer sondern etwas beschädigt. Dachte ich. Fotos gemacht, an Thomann geschickt, gedacht, dass es vielleicht einen Rabatt gibt und dann die Überraschung. Versandschaden, keine Garantie, dass es hält, bitte zurück schicken. Kein Reparaturangebot, keine Alternative auf Lager. Das war natürlich eine suboptimale Erfahrung, vor allem weil eben jene Gitarre dann 1-2 Wochen später ala reparierter Artikel auf eBay auftauchte. Naja… Also frustriert von vorn gesucht und ein tadelloses Exemplar in Italien gefunden – Tip top im Zustand, neu, ohne Mangel und selbst mit Versand nochmal 50€ günstiger als Thomanns B-Stock. Man muss auch Mal Glück haben!
Alles das Gleiche oder doch unterschiedliche Welten?
Eines muss ich gleich vorweg sagen: alle Gitarre fühlen sich gut an, eine Hagstrom macht ein gutes Gefühl, sie sind aber doch komplett unterschiedlich was Handling und Ton betrifft. Die Ultra Swede eher leicht und Short Scale, die Adina in der Mitte zwischen Ultra Swede und Ultra Max, die Ultra Max schon um einiges schwerer und wie so ein schönes Les Paul Modell bespielbar und die Fantomen wirklich schwer und massiv. Würde diese jemand auf der Bühne zertrümmern wollen, hätte ich eher Sorge um den Boden. Ultra Max und Fantomen sind sicherlich die rockigsten Vertreterinnen, die Adina ein Klasse Allrounder mit Schwerpunkt Clean, Surfrock und Solospiel und die Ultra Swede eine Gitarre, aus der versierte Gitarristen einfach unfassbare Blues- und Jazztone herausholen können, die clean brillieren kann, die aber ab Crunch aufwärts auf der Gainleiter abfällt, weil die Humbucker einfach nicht so viel Output liefern.
Clean Test
Was gleich auffällt: die Adina ist unglaublich vielseitig, scheint aber auch den höchsten Output zu haben. So hört man bei den Testaufnahmen ein leichtes Rauschen nur bei der Adina. Im Livebetrieb ist mir das noch nie aufgefallen, auf dem Weg zum Amp wird es auf dem Pedalboard rausgefiltert. Hier habe ich im Clean (im Gegensatz zum Crunch Test) der Einfachheit halber erstmal nur auf Amp Sims zurück gegriffen. Vielleicht werde ich einen weiteren Test mit Synergy Modulen (Deliverance, IICP) noch nachholen. Aber neben dieser Beobachtung habe ich das Gefühl, dass die Adina als Kompromiss zwischen den beiden Ultras durchaus am vielfältigsten in der Klangsteuerung ist. Wobei Kompromiss nicht ganz stimmt, da sie sich zwar mit dem Custom 60 einen Humbucker mit der Ultra Max teilt, der P-50 sich von Custom 62 der Ultra Swede aber doch unterscheidet. Zwar bieten alle drei Gitarren die Coil Split Option und einen drei Wege Schalter für die Humbuckeransteuerung, doch bei der Adina lässt sich damit die größte Bandbreite abdecken. Die Ultra Swede dagegen singt eher klar und rein mit hochtönigem Einschlag, hat da ihre klaren Stärken, kommt da aber auch nicht aus ihrer Haut. Die Ultra Max dagegen ist eher etwas brummiger, dumpfer, vielleicht weniger klar, dafür aber wärmer unterwegs. Die Ultra Swede tendiert eher zu Fender (Telecaster), die Ultra Max ganz klar Richtung Les Paul und beide machen es hervorragend, die Adina positioniert sich dagegen eher eigenständig in der Mitte.
Mid Gain – Rise and Shine of Adina
.Crunch und Mid Gains ist die Paradedisziplin der Hagström Adina. Auch wenn sie eher mit Vintage Ton beworben wird und Surf Rock affin sein soll – wovon ich absolut keine Ahnung und daher auch keine Testidee habe – hat sie den doch eher (Punk-)rockigen Crunchtests gut gemeistert. Sie ist dominant, mittenbetont und bringt durch den eigenen hohen Output mehr Sustain als die beiden Geschwistergitarren aufs Parkett. Dennoch fehlt ihr an manches Stellen das gewisse Rock’n’Rollige, das wiederum die Ultra Max mit einbringt. Nun habe ich hier im Gegensatz zum cleanen Test nur die Humbucker in Mittelposition getestet. Sicherlich kann hier aber mit Coil Split oder Tonabnehmerfokus noch einiges rausgeholt werden, hier sind die Klangeingriffe bei Adina doch stärker als bei den beiden anderen. Die Ultra Max dagegen kann Rock’n’Roll. Und zwar so richtig. Mit Whiskygeschmack auf der Zunge und Pomade im Haar. Das einzige Probleme könnte hier die Anfälligkeit für Matsch und Klangbrei in den tiefsten Noten (e/f) sein. Für typischen Rock’n’Roll Spiel mit Palm Mute / Open Wechseln, mit 2/3 Saitenanschlägen und Spiel um die Leerseiten ist sie dennoch besten geeignet. Dafür fehlt bei Leadnoten im Crunch ein bisschen der Punch. Die Ultra Swede kann ancrunchen, dafür muss aber der Amp eher höher gestellt werden als bei den anderen Beiden Hagström Gitarren. Solospiel geht hier maximal pointiert und Stakkato, Sustain sucht man hier vergebens im Crunchbereich.
High Gain – Eine Frage des Geschmacks
Beim High Gain werden die Unterschiede relativ ähnlich zu Crunch sichtbar. Die Adina liefert den meisten Output (nur wegen der Adina musste ein Noise Gate in den Simulationen implementiert werden – was aber aus meiner Sicht kein Negativfaktor ist, ein Noise Gate sollte absolute Standardausrüstung sein, auch meine Solar AB 2.6 sollte man nie ohne spielen), schreit am lautesten und singt vor allem in den Melodienoten sehr dominant. Perfekt für Leadgitarristen, ggf. zu dominant und schrill für die Rhythmusfraktion. Die Ultra Swede fällt komplett ab, sie hat einfach nicht die High Gain Seele, ist für bestimmte Arten von Rock und sicherlich auch Punk geeignet, aber wer wirklich in den High Gain Bereich will, schaut eher zu den anderen Beiden. Die Ultra Max ist aus meiner Sicht für Rhythmusgitarren in diesem Bereich ganz klar die beste Wahl, auch wenn ich hier nach Jahren des Spaßes nicht unvoreingenommen bin. Die Adina dagegen wäre mein Mittel der Wahl für Solospiel. Bei Aufnahmen ergänzen sich beide Klasse. Die Ultra Swede ist eine Klasse Gitarre, aber bei High Gain geht Ihr die Puste aus.
Fazit
Die vielfältigste der drei Gitarren ist aus meiner Sicht die Hagström Adina, man muss halt den hohen Output und das Grundrauschen bändigen. Das liegt sicherlich daran, dass hier zwei splitbare Humbucker Typen kombiniert wurden, der P-50 am Hals und der Custom 60 am Steg. Die Ultra Max mit ihren zwei Custom 60 ist für meinen Geschmack die angenehmste der drei Gitarren, sie hat aber eine klar dunklere Färbung und kann Richtung f oder e auch schon Mal matschen – was der Adina nicht passiert. Die Ultra Swede mit ihren beiden Custom 62 brilliert vor allem im cleanen Bereich.
Rangfolgen:
Clean – Ultra Swede, Adina, Ultra Max
Crunch – Adina, Ultra Max, Ultra Swede
High Gain – Ultra Max, Adina, Ultra Swede
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